SüdamerikaArgentinien

Hochsaison und Endspurt in Argentinien

Bei uns ist Endspurt angesagt und in den letzten Wochen haben wir uns die Ostküste entlang Richtung Norden ‘hochgearbeitet’.

Aus unserem Plan, auf Valdes Wale und Delfine zu beobachten, ist leider nichts geworden, denn zum einen sind die Wale momentan überall aber nicht vor Valdes und zum anderen herrscht an den Stränden Hundeverbot. Aber egal, die Küste bietet ja nicht nur Wale und Delfine sondern über Hundert Kilometer lang Strände. Diese wären an und für sich sehr schön, nur ist momentan gerade Ferienzeit und Hochsaison in Argentinien. Der ganze Küstenabschnitt ist fully booked und überall sind Schilder aufgestellt, dann man mit einem Wohnmobil nicht parken darf. Normalerweise sind Schilder in Südamerika lediglich optische Bereicherungen, die eh keiner ernst nimmt, aber zur Hauptsaison haben sie offensichtlich doch Gültigkeit. So finden wir beispielsweise in Las Gruttas ein nettes Plätzchen an der Strandpromenade und übersehen eines von diesen unangenehmen Blechtafeln. Es hat nicht lange gedauert, bis die Polizei an unsere Tür geklopft hat. Mit viel Mimimi und Wimpernklimpern durften wir zwar eine Nacht bleiben, aber dann mußten wir uns wieder auf Herbergssuche machen. Die Campingplätze sind ebenfalls proppevoll, denn die Argentinier sind leidenschaftliche Camper. Wir hingegen mögen Campingplätze nicht besonders, denn so Sardinchen an Sardinchen eingepfercht zu stehen ist nicht wirklich unser Ding. Aber wir haben mal wieder Glück, finden einen wilden Standabschnitt in der Nähe von Las Gruttas und stehen für einige Tage in den Dünen.

In Puerto Madry flüchten wir uns auf einen bewachten Parkplatz, aber auch dort müssen wir nach zwei Tagen ebenfalls abreisen. Die Stellplatzsuche gestaltet sich momentan also als etwas schwierig und zudem ist es nun auch knackig heiß. 37 Grad im Schatten sind gerade eher die Normalität, nur dann haben wir 40 in der Kabine und das ist dann schon abnorm. Auf unserem weiteren Weg erweist sich dann das Städchen Viedma als absoluter Glücksgriff in der derzeitigen Hitzehölle. Die Flusspromenade von Viedma ist zwar sehr hübsch, aber sie ist uns zu laut und deshalb stellen wir uns in eine ruhige Seitenstraße. Wir packen unsere Sesseln aus und setzen uns wie all die anderen Bewohner der Stadt auf die Wiese am Fluss in den Schatten und lassen dort stundenlang unsere Seele baumeln. Herr Hund ist natürlich mehr im Wasser als an Land, aber man kann es ihm wirklich nicht verübeln, denn er leidet unter der Hitze mehr als wir. Viedma ist nicht nur als Stellplatz eine Wohltat, die Einwohner hier sind zudem nochmals herzlicher als die Argentinier es ohnehin schon sind. Unsere ‚Nachbarin‘ von vis à vis bietet uns an, wir könnten bei ihr Wasser auffüllen, der Pfarrer von der Kirche nebenan lädt uns ein, uns in den Kirchenhof zu stellen und am Abend klopf eine junge Dame an die Türe und schenkt uns Eis, da uns doch sicherlich heiß wäre. Die Freundlichkeit und die Wärme, mit denen man uns begegnet, ist unglaublich und wir sind wirklich gerührt. Wir verbringen ganze fünf Nächte Tage in Viedma.

Momentan bleiben wir an schönen Stellplätzen länger stehen als bislang, denn einerseits ist es derzeit wie gesagt wesentlich schwieriger etwas Ruhiges und Erlaubtes zu finden und zudem müssen wir auch etwas ‚Zeit verplempern‘, denn nach Buenos Aires ist es ja nicht mehr allzu weit. Bei unserem nächsten Stopp kann von ‚verplempern‘ allerdings keine Rede sein, es war wirklich ein wunderschönes Plätzchen. Im Erholungsgebiet an der Laguna la Salada finden wir wieder ein kleines Paradies. Wir haben einen ganzen Birkenhain für uns alleine, Herr Hund und ich liegen faul im Schatten und der einzige, der Arbeiten muss, ist mein armer Mann, denn Mr. Benz muss noch ein letztes Mal für diese Reise abgeschmiert werden. Klar, von so viel Anstrengung müssen wir uns alle erholen und deshalb bleiben wir wieder ausgiebig stehen bis uns das Wasser und das Futter ausgehen und der Berg an Schmutzwäsche bedrohlich groß wird.

Im nahegelegenen Necochea füllen wir wieder auf und machen die Bekanntschaft von einer weiteren Facette der Ferienzeit, den ‚Krawallos’. So nenne ich die Horden an Jugendlichen, die ihre halb auseinanderfallenden Autos mit bis zum Anschlag aufgedrehten Steroanlagen und großer Vorliebe zwischen 2 und 5 Uhr morgens neben uns parken und uns beschallen. Aber selbst wenn sie seinen halben Kilometer weiter stehen würden, man würde sie trotzdem hören und an Schlaf ist da nicht zu denken. Drei Mal hintereinander flüchten wir mitten in der Nacht und das schlaucht. Zugegeben ist die Luft bei uns auch etwas draussen,  aber wie soll man bei dieser Hitze auch vernünftig durchschnaufen …

In Tandil können wir uns etwas erholen, denn wir dürfen auf einer einsamen Wiese am Stausee stehen und schlafen wieder wie die Babies. Naja, nicht ganz, denn Herr Hund zieht sich in der Nacht selbst eine Kralle, weckt uns wimmernd vor Schmerzen auf und es ist schön wieder mal vorbei mit der Nachtruhe. Dieses Drama hätten wir zum Abschluss wirklich nicht mehr gebraucht, aber wir lassen ihn vom Tierarzt versorgen, er bekommt Schmerzmittel und Antibiotika und wir können nur hoffen, dass er in zwei Wochen für den Heimflug wieder fit ist.

Wir fahren nun über Azul nach Buenos Aires. Wir stellen Mr. Benz für 11 Tage unter und ziehen in eine Wohnung in Puerto Madera. Es steht zwar abermals das bürokratische Tamtam rund um die Hundepapiere an und es wird sicherlich knackig heiß, aber wir freuen uns schon sehr auf die Stadt und ALLES WIRD GUT!

 

 

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