SüdamerikaKolumbien

Karibische Hitze und kühle Bergluft in Kolumbien

Unglaublich, wie schnell die Zeit verfliegt – jetzt sind wir seit insgesamt zehn Monaten unterwegs, seit fast drei Wochen in Kolumbien, seit zwei Wochen leben wir wieder im Mr. Benz und fühlen uns rundum wohl.

Die Formalitäten in Cartagena für den temporären Import von Mr. Benz, das Abschließen einer Versicherung sowie die Abwicklung beim Zoll waren recht ‘südamerikanisch’ – das heißt, alles verlief unkompliziert und in einem sehr freundlichen Umgangston. Nach dem Zollhafen haben wir uns gleich als erstes auf die Suche nach LPG Gas gemacht, denn unsere Gasflasche war für die Verschiffung so gut wie leer und musste dringend befüllt werden. Was in den letzten zehn Monaten total unproblematisch und innerhalb von paar Minuten erledigt war, hat sich in Kolumbien als nahezu unmöglich herausgestellt. Die Kolumbianischen Adapter passen nicht auf unser Befüllungssystem, alle anderen Adapter haben auch nicht funktioniert und so blieb uns nur eine einzige Möglichkeit, nämlich das Gas mühsam von einer anderen Flasche in unsere umzufüllen. Ein Kolumbianer hat uns bei fast 40 Grad Hitze mit einer absoluten Seelenruhe vier Stunden lang geholfen und am Ende hatten wir nicht nur eine volle Flasche sondern beinahe auch einen Hitzeschlag.

 

Die ersten Tage haben wir bei Gloria und Albeiro verbracht, wir konnten bei ihnen im Garten campen, Mr. Benz wieder reisefit machen, Wäsche waschen und unsere Futtervorräte auffüllen (jetzt wo die Gasflasche wieder voll ist, wird natürlich wie gewohnt gekocht!). Als kleines Zuckerl oben drauf gab es nicht nur köstliche Bananen direkt vom Baum sondern auch den ganzen Tag Spanischunterricht, bei dem mich Gloria mit ihrer Engelsgeduld die Sätze so oft wiederholen ließ, dass ich sie mein Leben lang nimmer vergessen werde.

 

Weiter ging es an die Küste zum Karibischen Meer. Es war nicht nur von den Temperaturen her extrem heiß sondern es ging auch extrem heiß her, denn es war gerade ein verlängertes Wochenende und alles was sich bewegen konnte, bewegte sich in eine Richtung – nämlich zur Küste und zum Meer. Aber wir hatten mal wieder Glück: in einer kleinen Bucht haben wir bei einem Restaurant gehalten und gefragt, ob wir nicht nur essen sondern hier auch übernachten dürften – und so standen wir alleine in der ersten Reihe fußfrei am Stand während die Camps aus allen Nähten platzten. Aber so schön die Küste auch ist, die extremen Temperaturen haben uns und auch Lucky ganz schön zu schaffen gemacht und deshalb haben wir beschlossen, uns in die Berge zu flüchten. Das ist ja das Tolle an Kolumbien – man ist relativ schnell in einer anderen Klimazone (ok, mit Mr. Benz vielleicht ein klitzekleines bissi weniger schnell bei 30km/h bergauf).

 

Am Weg in die Berge haben wir die Bekanntschaft mit einer kuriosen Dienstleistung gemacht: immer wenn die Straße sehr nah am Fluss entlang führt, wird alle Nasenlang eine Auto- bzw. LKW Wäsche angeboten. Schläuche werden an Naturquellen angehängt und riesige Fontänen schießen als Hinweis auf die Waschstraße in die Höhe. Mr. Benz stand nach der Verschiffung und der salzigen Luft vor Dreck und so haben wir ihm eine Wäsche gegönnt – zwei Kolumbianer haben ihn eine Stunde lang mit der Hand auf Hochglanz gebracht.

 

Nach zwei Tagen, einer Nacht an einer Tankstelle, 2600 Höhenmetern und unzähligen Serpentinen sind wir dann schließlich in der Nähe von Medellin in einem Kleinod in den Bergen angekommen: Das Camp wird von einer sehr herzlichen Familie geführt, hat auf den ersten Blick den Charme einer Almhütte, ist aber in einem dichten Wald eingebettet.

 

Tagsüber genießen wir angenehme 25 Grad, nachts kühlt es auf zapfige 10 Grad ab und wir können buchstäblich durchschnaufen. Den meisten Spaß hat hier aber Herr Hund – er ist den ganzen Tag mit einem Junghund unterwegs, der vor paar Wochen schwer verletzt gefunden und hier zu den anderen fünf Hunden aufgenommen worden ist. Die zwei sind ein Herz und eine Seele, sind von morgens bis abends völlig außer Rand und Band und haben nur Blödsinn im Kopf. Der Springbrunnen wurde mal schnell zum Swimmingpool umfunktioniert und die Katze wird auch ständig geärgert.

 

 

Aus den ursprünglich geplanten zwei Nächten sind es dann schlußendlich sechs chillige Tage geworden: Hans hat einige Arbeiten am Mr. Benz erledigt, ich habe mal Großputz gemacht und den Backofen in der Gemeinschaftsküche zum Brot Backen genutzt (jetzt wo das Befüllen der Gasflasche so ein Heckmeck ist, wird natürlich an jeder Ecke Gas gespart). Zudem versuche ich, mein Spanisch jeden Tag um ein paar neue Ausdrücke zu bereichern – seien es ‘gewöhnliche Alltagsworte’ rund um Lebensmittel etc. oder eher ‘ungewöhnlicher’ aber für uns wichtiger Reisewortschatz wie Scheibenwischer, Fußmatte, Wasserschlauch oder Brotbackform.

 

Apropos ‘ungewöhnlich’: uns fällt in Kolumbien auf, dass es ausserhalb der größeren Städte so gut wie keine Supermärkte im herkömmlichen Sinn gibt. Dafür findet man häufig Gemischtwarenhandlungen, die ein sozialer Treffpunkt für einen gemeinsamen Kaffe oder so manches Schnapserl sind und in denen (neben der paradiesischen Obst- und Gemüsevielfalt und den Grundnahrungsmitteln) alles angeboten wird, was der Mensch halt so braucht – aber wirklich alles von dem Suppenwürfel über die Schuhcreme, diverse Medikamente sowie kleine Eisenwaren, Besen, Töpfe etc. Diese Läden sind so herrlich kunterbunt und zeitgleich blitzsauber. Kolumbien ist (abgesehen von einigen Ausnahmen, die es überall gibt) insgesamt erstaunlich sauber und auf den Camps ist es beispielsweise selbstverständlich, dass man den Müll trennt sowie recycelt. Die Realität und das Klischee klaffen also ziemlich weit auseinander.

Unsere Reise geht nun weiter Richtung Guatapé und die nächsten Wochen werden wir im Norden Kolumbiens bleiben, denn momentan ist der Süden durch die Proteste und Strassenblokaden eher ungemütlich und es gibt auch keine Möglichkeit, nach Ecuador auszureisen. Südlich von Cali protestiert die Indigene Bevölkerung für mehr Schulen und Spitäler und versucht, durch die Strassensperren und das Abschneiden der Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff den Präsidenten zu Gesprächen ‘zu bewegen’. Aber offensichtlich sind solche Blockaden nichts Ungewöhnliches und wir bleiben erst mal entspannt hier in der Gegend und warten in Ruhe ab, denn wie immer gilt ALLES WIRD GUT!

 

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